Falun — die Kupfermine, die Schweden zur Großmacht machte
Falun in Dalarna sieht heute aus wie ein gewöhnliches Provinzstädtchen — bis man die rote Schlackenhalde erkennt und den gewaltigen Tagebau dahinter. Aus diesem einen Loch im Boden floss über Jahrhunderte ein erheblicher Teil des europäischen Kupfers, und für etwa hundert Jahre auch das Geld, mit dem ein verarmtes Bauernreich am Rande des Kontinents zur Großmacht aufstieg.
Mittelalterliche Anfänge
Kupferbergbau ist in Falun seit dem 13. Jahrhundert urkundlich belegt. Eine Schenkungsurkunde von 1288, mit der ein Bischof Anteile an der Mine erwarb, gilt als das älteste schriftliche Zeugnis eines Aktienanteils der Welt. Stora Kopparberget — die Große Kupferberg-Gesellschaft — ist damit die älteste fortbestehende Aktiengesellschaft.
Der Boom im 17. Jahrhundert
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts lieferte Falun rund zwei Drittel des europäischen Kupfers. Die Königliche Krone schöpfte den Hauptteil über Bergregale, Kupferzölle und Münzmonopol ab. Mit diesen Einnahmen finanzierte Gustav II. Adolf seine Feldzüge im Dreißigjährigen Krieg, und Karl XII. seine späten Abenteuer im Großen Nordischen Krieg.
Die Große Pinge
Am Mittsommertag 1687 brach ein gewaltiges Gewölbe unter der Mine ein und hinterließ einen 95 Meter tiefen, etwa 300 Meter breiten Tagebautrichter. Da es ein Feiertag war, befand sich niemand im Berg. Die „Stora Stöten" ist bis heute das ikonische Bild der Mine.
Falu rödfärg — das rote Schwedenrot
Das eisenoxidreiche Abraum-Erz wird in Falun seit dem 16. Jahrhundert zu Pigment gebrannt — Falu rödfärg, das tiefrote Anstrichmittel, das die schwedischen Holzhäuser bis heute prägt. Die Produktion läuft am Originalstandort bis heute weiter.
Arbeit und Krankheit
Die Arbeit in Falun war berüchtigt: Steinschlag, Verbrennungen an den Röstöfen, Atemwegserkrankungen. Berühmtes Memento mori ist der Bergmann „Fet-Mats" Israelsson, 1670 verschüttet, durch Vitriol konserviert und 1719 als nahezu unversehrte Leiche geborgen — Anlass für Goethe, Hoffmann und Hofmannsthal.
Schließung und UNESCO-Welterbe
Die Förderung lief mehr als tausend Jahre lang. Die Mine schloss erst 1992, als die letzten Erzreste unwirtschaftlich wurden. 2001 wurde die Bergbaulandschaft als UNESCO-Welterbe eingetragen.
Die Besichtigung
Besucher fahren in den Creutz-Schacht 67 Meter unter Tage und gehen durch Strecken, in denen die mittelalterlichen Schlägelspuren noch sichtbar sind. Das Museum übertage erzählt die metallurgische und sozialhistorische Geschichte mit großer Sorgfalt.
Die Altstadt von Falun
Die im 17. Jahrhundert um die Mine gewachsene Stadt hat ihren eigenwilligen Charakter behalten: schiefe Holzhäuser in tiefem Rot, ein gut erhaltener zentraler Markt und enge Gassen, in denen die Bergleute wohnten.
Bergslagen — die ganze Region
Falun ist das Tor zur Bergslagen, dem zentralschwedischen Eisen- und Kupferrevier. Wer Zeit hat, sollte das Silberbergwerk Sala und die Eisenhütte Engelsberg (beide ebenfalls UNESCO) anhängen.
Auf der Karte erkunden
Die Kupfermine Falun und die Bergslagen-Stätten finden Sie auf der interaktiven Karte, mit Öffnungszeiten und Hinweisen zur Barrierefreiheit.