Frauen im Bergbau — Geschichte und Gegenwart
Im kollektiven Bild des Bergmanns steht ein verrußter Mann mit Helm und Karbidlampe. Tatsächlich war der Bergbau über weite Strecken seiner Geschichte auch ein weibliches Gewerbe — an der Erzwäsche, am Klaubeband, in den Häusern der Sortiererinnen, und in manchen Epochen auch unter Tage. Diese Schicht der Industriegeschichte wird gerade erst gehoben.
Erzklauben im Mittelalter
Die Übertage-Arbeit an mittelalterlichen Bergwerken war zu großen Teilen Frauenarbeit: Klauben, Waschen und Sortieren des Erzes. Agricolas „De Re Metallica" (1556) bildet die Arbeit detailliert ab — Frauen an Sieben, Pochwerken und Klaubtischen sind in den Holzschnitten allgegenwärtig.
Britische Kohlenfrauen vor 1842
Im englischen und schottischen Steinkohlenbergbau zogen Frauen — und Kinder — bis zur „Mines and Collieries Act" von 1842 Schlitten mit Kohle durch enge Strecken. Die Royal Commission von 1840–1842 dokumentierte die Verhältnisse mit schockierenden Zeichnungen und Aussagen, um das Verbot durchzusetzen.
Die Pit Brow Lasses von Wigan
Nach 1842 durften Frauen nur noch übertage in den britischen Zechen arbeiten. Berühmt wurden die „Pit Brow Lasses" in Wigan — Sortiererinnen in Hosen, was im viktorianischen England für einen kleinen Skandal sorgte. Ein Denkmal in Wigan erinnert seit 2006 an sie.
Cornische bal maidens
In den Zinn- und Kupferminen Cornwalls arbeiteten die „bal maidens" bis in die 1920er Jahre an der Erzaufbereitung. Das Projekt „The Bal Maiden Project" in St Just hat ihre Sozialgeschichte rekonstruiert und gibt den Frauen erstmals seit hundert Jahren Namen.
Walisische Halden-Sammlerinnen
In den walisischen Tälern sammelten Frauen und Kinder noch bis in die 1950er Jahre Kohlestücke von den Halden für den Hausbrand — eine graue Parallelwirtschaft, die in den Familienbudgets vieler Bergleute fest verankert war.
Frauen in den Weltkriegen
Beide Weltkriege brachten Frauen in zuvor männlich monopolisierte Tätigkeiten. In den Vereinigten Staaten wurden die „breaker girls" der Pennsylvania-Anthrazitreviere zur weniger bekannten Schwester von „Rosie the Riveter". In Deutschland setzten Zechen Zwangsarbeiterinnen unter Tage ein — ein eigenes, dunkles Kapitel.
Apartheid und Ausschluss
In Südafrika war Frauen die Untertage-Arbeit bis 1996 gesetzlich untersagt. Die Aufhebung des Verbots öffnete formal eine ganze Branche; der Kulturwandel verlief jedoch langsam und ist bis heute nicht abgeschlossen.
Heute im Studium und im Schacht
Frauen stellen weltweit rund 15 Prozent der Bergbaustudierenden und etwa 8 Prozent der Untertage-Belegschaft. Der Anteil wächst langsam. Initiativen wie „Women in Mining UK" und „International Women in Mining" tragen die Zahlen zusammen.
Sichtbares Erbe
Die Pit-Brow-Statue in Wigan, das Bal-Maiden-Denkmal in St Just sowie die Frauenabteilungen im Big Pit, im National Coal Mining Museum (Wakefield) und im Centre Historique Minier in Lewarde nehmen die weibliche Bergbaugeschichte ernst und stellen sie kompetent dar.
Auf der Karte erkunden
Alle in diesem Artikel genannten Stätten sind auf der interaktiven Karte verzeichnet — mit Öffnungszeiten und Hinweisen zur Barrierefreiheit.