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Rammelsberg und Goslar — tausend Jahre Harzer Erzbergbau

Wer in den Harz fährt, hat Goslar vor Augen — Fachwerkstadt, Kaiserpfalz, Romanik. Doch der eigentliche Grund, warum Goslar existiert, liegt unsichtbar hinter dem Hügel: der Rammelsberg, ein 635 Meter hoher Erzberg, in dem tausend Jahre lang ununterbrochen Bergbau betrieben wurde. Die Verbindung von Mine und Bischofsstadt ist europaweit einmalig — und seit 1992 gemeinsam UNESCO-Welterbe.

Mittelalterliche Anfänge

Bergbau am Rammelsberg ist seit 968 urkundlich belegt — und begann mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich früher. Kaiser Otto I. hielt seinen Hof gerade deshalb in Goslar, weil hier Silber und Kupfer zu erreichen waren. Das Erz finanzierte die ottonische Reichspolitik.

Die Kaiserpfalz

Die Kaiserpfalz Goslar, erbaut 1040–1050 unter Heinrich III., ist eine der größten erhaltenen romanischen Profanbauten Europas. Sie war Verwaltungssitz der Salier — und ihr Glanz speiste sich vollständig aus dem Rammelsberg-Erz.

Bergbautechnik und Innovation

Über Jahrhunderte war der Rammelsberg ein Versuchslabor für Wasserhaltung, Bewetterung und Erzaufbereitung. Der Roeder-Stollen von 1805 mit seinen Wasserkunstkammern liegt 75 Meter unter Tage und ist bis heute funktionsfähig — Wasserräder von 1810 drehen sich auf umgeleiteten Bachläufen.

Polymetallische Geologie

Die Lagerstätte ist ungewöhnlich vielseitig: Aus einer einzigen Erzkörperserie wurden Kupfer, Blei, Zink, Silber und Gold gewonnen. Im 20. Jahrhundert dominierten Blei und Zink, die als Konzentrate in die Industrie gingen.

Schließung 1988

Nach genau 1.020 Jahren urkundlich belegter Förderung endete der aktive Bergbau 1988. Die letzten Maschinen und Förderanlagen wurden nicht abgebaut — eine bewusste Entscheidung der Denkmalpflege, die das Welterbe erst möglich machte.

Die Besucherbergwerke

Heute führen zwei Touren in den Berg: der Roeder-Stollen mit den Wasserrädern und der „Rathstiefster Stollen", der die ältesten Abbaufronten zeigt. Die Tagesanlage von 1936 — ein monumentales Aufbereitungs-Bauwerk — kann ebenfalls befahren werden und ist betriebsbereit für Vorführungen.

Goslar — die mittelalterliche Stadt

Die Inschrift umfasst neben dem Bergwerk auch die Altstadt Goslars: Marktkirche, Marktbrunnen, romanische Bürgerhäuser, das Stadtmuseum, das die Bergbau-Erzählung erweitert. Goslars Stadtbild ist nahezu vollständig erhalten.

Das Oberharzer Wasserregal

2010 wurde die UNESCO-Eintragung um das Oberharzer Wasserregal erweitert — fünfzig Kilometer künstlicher Wasserläufe, Teiche und Gräben aus dem 17.–19. Jahrhundert, die das gesamte Harzer Bergbaurevier mit Wasserkraft versorgten.

Praktische Hinweise

Die Bergwerksführung dauert je nach Tour 60 bis 90 Minuten bei konstant 12 °C — warme Kleidung mitbringen. Goslar selbst kann an einem Tag erkundet werden; für das gesamte Erbensemble inklusive Oberharzer Wasserregal sind zwei Tage realistisch.

Auf der Karte erkunden

Rammelsberg, Goslar und das Oberharzer Wasserregal finden Sie auf der interaktiven Karte, mit Öffnungszeiten und Hinweisen zur Barrierefreiheit.